Rückblick

Landleben in Musik gegossen

Australischer Folk-Sänger begeistert mit Geschichten aus der Heimat

Gitarrenklänge, Geschichten, Folk und viele Erinnerungen - mit dem Konzert des Gitarrenkünstlers Carus Thompson startete die "Kulturgemeinschaft Vienenburg" in ihr Kulturprogramm 2012.

"Er ist der Künstler mit der weitesten Anreise, der je bei uns im historischen Kaisersaal aufgetreten ist", hob der Vorsitzende Gerhard Niessner bei der Begrüßung hervor, was jeder der Konzertbesucher schon fast erahnt hätte. Umso spektakulärer, dass sich der 35-jährige Folksänger, eingespannt in einem ausgefeilten Tourneeplan mit Auftritten in Hamburg, Frankfurt, Nürnberg und Berlin allein in dieser Woche, Zeit für eine musikalische Stippvisite in der Harlystadt nahm.

Schon mit dem freundlichen "Hello" auf den Lippen gewann der Australier, als er die Konzertbühne betrat, die Gunst seines Publikums. Leger gekleidet mit Jeans, Karo-Hemd im Holzfäller-Look und der Gitarre in der Hand machte er mehr den Eindruck des Kumpels von nebenan, als den eines international bekannten Folksängers mit langjähriger Bühnenerfahrung. Spätestens bei seinem zweiten Lied "Imperfect circle" klatschten die Konzertbesuchen eifrig mit. "Jetzt fehlt nur noch das Lagerfeuer auf der Bühne", schwärmte Niessner. Authentisch, ohne technische Hilfsmittel, und souverän spielte Thompson seine Lieder, allesamt Eigenkompositionen. Viele stammten von seiner aktuellen CD "Caravan".

Das aufgestellte Mikrophon diente dabei keineswegs einer stimmlichen Verstärkung, sondern war als stiller Zeuge für einen Konzertmitschnitt des Senders "Radio Okerwelle".

Das Schönste daran, ein Songwriter zu sein ist, dass man so seine Geschichten erzählen kann", verriet Carus Thompson, der bis auf wenige Worte kein Deutsch sprach. Aber trotz australischen Akzents war er selbst mit einem eingerosteten Schul-Englisch gut zu verstehen und sprach nur selten "too fast", wie er selber von sich befürchtete.

Die Inhalte seiner bewegenden Texte spielen nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens: Beginnend mit Sonne, Ferien und blauem Himmel in "Caravan" führten seine Lieder in "Bright star" zu den blutigen Protesten im Vorfeld der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko. Erlebnisse an seinen Konzertauftritt in einem Gefängnis und Geschichten von seiner Ehefrau und seinem kleinen Baby, die in Australien auf ihn warten, berührten das Publikum ebenso wie das tragische Geschehen um den Tod eines 15-jährigen, der im Thompson-Heimatort von der Polizei erschossen wurde.

Thompson liebt diese Plaudereien über Land und Leute und verarbeitet sie in seinen Texten. Und Erinnerungen. So an seinen Großvater, den er in seiner Zugabe "Dancing in the wind" gefühlvoll bedachte.

nach Andrea Leifeld: "Landleben in Musik gegeossen", "Goslarsche Zeitung" vom 14.02.2012

 

Songs und Sprüche von der grünen Insel

Peter Kerlin und Jens Kommnick begeistern Publikum

Die Konzertreise unter dem Titel "Songs und Tunes from Irish Roots" dauerte 90 Minuten: über schier endlos grüne Wiesen, entlang rauer Küstenlandschaften und in heimelige Cottages. Die Zuhörer lauschten den Liedern und Erzählungen Irlands, mit denen Peter Kerlin und Jens Kommnick am Sonntag im historischen Kaisersaal beste Unterhaltung boten. Die Kulturgemeinschaft Vienenburg hatte die Gruppe eingeladen.

Die Konzertbesucher mit einem herzlichen "Tach!" locker begrüßend, entführten die zwei Vollblutmusiker, der norddeutsche Jung aus Bremen, Jens Kommnick, und der Wahl-Goslarer Peter Kerlin, auf musikalischen Pfaden auf die grüne Insel.

Auf harmonischen Wegen steuerten sie nach der schroffen "The crossing" (Die Überfahrt") mal verträumt-nachdenklich, mal voll irischem Temperament durch das Land. Zwischen irischen Trinksprüchen, fröhlichen Anekdoten um den "Pumpernickel-Blues" und herzlichen Verwickelungen wurde auch immer wieder das Publikum zur stimmlichen Unterstützung herangezogen: Sei es stimmgewaltig im "Believe"-Refrain oder einem spontanen, telefonischen "Happy Birthday"-Geburtstagsständchen an Jens Kommnicks Mutter.

Viel zu schnell auf dieser Konzertreise war "The last song" zu hören, den die Musiker noch mit zwei Zugaben komplettierten. Das Publikum dankte für den tollen Nachmittag mit einem begeisterten Applaus und Gerhard Niessner, als Vorsitzender der Kulturgemeinschaft, mit Blumen.

nach Andrea Leifeld: "Songs und Sprüche von der grünen Insel", "Goslarsche Zeitung" vom 15.11.2011

 

Mit den Augen des Folterknechtes

Axel Gottschick liest im Kaisersaal Geschichten von der "Lust am Genuss"

„Die Lust am Genuss“ war das Thema der Lesung, in der Axel Gottschick etwa 30 Gäste auf einen literarischen Streifzug von Benjamin bis Woolf entführte. Genussvoll und feinsinnig artikulierte der Bühnenprofi ausgewählte Gedichte und Geschichten im Kaisersaal des Historischen Bahnhofs. Für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgten Kerzenschein, Sekt und Appetithäppchen, die die Kulturgemeinschaft Vienenburg als Veranstalter liebevoll zubereitet hatte.

Die einzelnen Themen drehten sich im ersten Block zunächst um die Natur, die Liebe und um das Essen. So handelte beispielsweise Mallanaya Vatsyayanas „Kamasutra“ von zwei Liebenden. Nach dem Liebesakt gehen die Beiden, ohne sich zu beachten, fast so, als würden sie sich nicht kennen, einzeln zum Waschplatz. Dann, nach kulinarischen Genüssen, werden sie erneut von der Leidenschaft erfasst.

Das Rezept „Lamm in Dillsauce á la Raymond Chandler“ von Mark Crick trug Gottschick anschaulich mit den Augen eines Folterknechts oder Mörders vor, der das Zerteilen der Zutaten als Akt der Grausamkeit beschreibt.

Nach der Pause ging es inhaltlich mit Essen, Trinken und Musik weiter. Während der knapp zweistündigen Veranstaltung schob Gottschick immer wieder zum Thema passende Musik ein, wahlweise von der CD oder selbst gesungen. So wurde beispielsweise auch Robert Walsers „Paganini“ musikalisch abgerundet.

Gottschick, 1953 in Göttingen geboren, ließ seinem Abitur in Bad Harzburg ein Studium der Anglistik und Politologie in Trier folgen. Die Bühnenreifeprüfung legte er 1987 in Karlsruhe ab. Seither zählen zahlreiche Bühnen, Hörspielproduktionen für mehrere Radiosender, Hörbücher und Dokumentarfilme sowie das Mitwirken in zahlreichen Fernsehfilmen zu den Schaffensbereichen.

s. Susanne Fricke "Mit den Augen dees Folterknechts", in: "Goslarsche Zeitung", 19. Oktober 2011, S. 21 - Foto: Fricke

Frankfurt(er) Jazz Trio spielt auf Vienenburger Kaisersaal

Aus dem reichhaltigen Fundus der Jazz-Musik geschöpft

Die Jazzbegeisterung in der Harlystadt Vienenburg ist bemerkenswert. Jazzte vor grade mal sechs Wochen die „Saratoga Jazz Band“ auf Einladung der Kulturgemeinschaft im Kloster Wöltingerode, füllten sich am Sonntag beim Konzert des “Frankfurt Jazz Trio“ ebenso schnell die Stühle im Kaisersaal mit einem begeisterungsfähigen Publikum.

Mit „A beautyful friendship“ zum Auftakt, gefolgt von „A time for love“, bescherten die drei Musiker ihrem Publikum einen jazzigen Empfang, dem starke 90 Konzertminuten folgten.

Bereits seit 1989 ist das „Frankfurt Jazz Trio“ in unterschiedlicher Zusammensetzung der Musikszene bestens bekannt. Die aktuelle Formation, bestehend aus Olaf Polziehn (Piano), Marin Gjakonovski (Kontrabass) und Thomas Cremer (Schlagzeug) besteht seit 2001. Gemeinsam schöpfte das Trio in einem glanzvollen Konzert aus dem reichhaltigen Fundus der Jazz-Musik von Gershwin-Klassikern bis zu modernen Stücken, die aus der Feder ihres Pianisten Olaf Polziehn stammen. Oft gehen die international agierenden Musiker in getrennten Wegen ihren musikalischen Herausforderungen und Aufgaben in vielen Ländern Europas nach, um sich dann zu besonderen Konzerten, wie an jenem Sonntag im Vienenburger Kaisersaal, wieder zu vereinen.

„Es gibt nichts Schöneres als Schönes“, schwärmte Thomas Cremer über die jazzigen Titel über die Liebe, so die Ballade „Never let me go“, die immer einen Hauch von Melancholie in sich tragen. Mit „Remembering“ und Michele Petruccianis „Rachid“ folgten weitere Jazz-Klassiker und ein großer Applaus von einem begeisterten Publikum.

s. Andrea Leifeld "Frankfurt(er) Jazz Trio spielt auf Vienenburger Kaisersaal", in: "Goslarsche Zeitung", 06. Juli 2011 - Foto: Susanne Fricke

 

Jazzfreuden im Nonnenkloster

Braunschweiger Band „Saratoga Seven“ spielt in den historischen Hallen

Nach den zünftigen Klängen zum Bierfest am Sonntagnachmittag, eroberten die sieben Musiker der Braunschweiger Jazzband „Saratoga Seven“ abends schwungvoll die historischen Hallen des Nonnenchors Wöltingerode und bescherten allen Konzertbesuchern einen herrlichen Ausklang des schönen Sommerwochenendes.

Waren Bandleader Harald Montag und seine Mannen bereits vor zwei Jahren, damals ebenfalls auf Einladung der Kulturgemeinschaft Vienenburg, musikalische Gäste auf dem Klostergut, bedurfte es nunmehr keiner großen Werbung, die eng gestellten Stuhlreihen bis auf den letzten Platz mit wahrer Jazzfreude zu füllen.

Die bekannten Musiker ließen sich auch nicht lange bitten und brachten zum Konzertauftakt der „guten Fee“ der Kulturgemeinschaft, Dagmar Goldack, spontan ein jazziges Ständchen zu ihrem 70. Geburtstag.

Mit einem sinnlichen „Write myself a Letter“ begann schließlich die musikalische Reise durch die ausgeprägte Welt des Jazz und Blues. Der begleitende Applaus während der Darbietungen brachte immer wieder die große Begeisterung des Publikums zum Ausdruck. Gerne folgten alle der Aufforderung „gemeinsam einen lockeren Jazzabend zu verbringen“.

Die sieben Musiker spielten in ihrem Repertoire auch alte Jazztitel aus der Gründerzeit dieser Musikrichtung, die um 1900 im New Orleans entstand. Dort, aus der in den Südstaaten der USA gelegenen Stadt, stammt auch der Jazzbandname „Saratoga“. Es handelt sich um eine dortige Straße, auf der die sieben Braunschweiger Musiker einst persönlich spielten.

nach Andrea Leifeld: "Jazzfreuden im Nonnenkloster", in "Goslarsche Zeitung", 01.Juni 2011.

 

Murphy-Brüder begeistern das Publikum

Brendan und Declan Murphy bieten fast 100 Gästen ein tolles Konzert im Vienenburger Kaisersaal

Der Mann soll eine angekratzte Stimme gehabt haben? Nicht zu glauben, was für ein Konzert Brendan Murphy am Sonntag im Vienenburger Kaisersaal bot. Mit seinem Bruder Declan war er auf Einladung der Kulturgemeinschaft gekommen. Die Stadt am Harly war die dritte Station ihrer Deutschlandtournee. Und dort waren ihre fast 100 Zuhörer total angetan.

Die Murphys machen seit mehr als 20 Jahren Musik. Sie sind die Gründungsmitglieder von „The 4 Of Us“, einer der populärsten irischen Bands. Die beiden kennen Publikums-Kulissen in ganz anderer Größenordnung. Und dann der Kaisersaal? Na, und? Brendan Murphy und sein „kleinerer“ Bruder genossen den Auftritt an genau diesem Ort vor genau diesen Gästen, hatten Spaß.

Mit ihrer Musik, Brendan Murphy stellte seine im Februar erschienene CD „Walk with me“ vor, gaben sie den Spaß weiter. An der Platte hat auch Declan mitgearbeitet. Der, der den lautesten Fuß hat. Das behauptete Brendan zumindest. „Ich kann nicht singen, wenn ich Declans Fuß nicht höre.“ Der stampfte bei jedem Stück, gab den Takt an.

„Irish Folk“ hatten sie mitgebracht. Auf der Kaisersaal-Bühne präsentierten die Murphys ein Stück, das Brendan zusammen mit Lebensfreund Kieran Goss und Sharon Vaughn geschaffen hat: „Why should I be lonely“. Kieran Goss, zu ihm erzählte Brendan gleich mal eine Geschichte: Schule, College und Jura-Studium hätten sie zusammen hinter sich gelassen. Und zusammen hätten sie ihre Eltern enttäuscht. Weil sie eben nicht als Juristen, sondern Musiker geworden seien. Das dürfte sich mittlerweile ja wohl relativiert haben.

Brendan und Declan hatten aber auch ein Stück von John Lennon und Paul McCartney im Tour-Gepäck: „Blackbird“. Und sie machten Stimmung, richtig positive, mit ihrer ganz eigenen Interpretation des jazzigen Fingerschnipp-Songs „Fever“.

Irgendwie war’s, als würden sich Musiker und Gäste schon ewig kennen. Brendan Murphy konnte einfach gut mit dem Publikum. Er sprach gerne mal deutsch und baute gerne mal die Harly-Stadt in den Text ein: „.Blackbird... in this black Vienenburg night.“ Wie charmant.

Sympathisch dann der Dank an „Miss Goldak“ von der Kulturgemeinschaft und an die, die da waren, um zwei „Irish boys“ zu hören. Declan schloss den an Gerd (Niessner) von der Kulturgemeinschaft an und verabschiedete sich von den Zuhörern, die direkt an ihm vorbeigingen, mit Handschlag.

Lang anhaltender Applaus für zwei, die ihre Musik hingebungsvoll präsentierten. Lang anhaltender Applaus für die, die improvisierten: Als während eines Stückes was auch immer mit einem Rums herunter fiel. Sie schnackten ein wenig und setzten neu an. Und lang anhaltender Applaus für Brendan, der trotz angekratzter Stimme ein komplettes Konzert mit Zugaben ablieferte.

s. Angela Potthast,  Murphy-Brüder begeistern das Publikum, "Goslarsche Zeitung", 22. März 2011
Foto: Potthast

 

Foto: Fricke

Musik passt in keine Schublade

Cathrin Pfeifer begeistert mit eigenen Werken

Mit einem musikalischen Feuerwerk der Eigenkompositionen begeisterte Cathrin Pfeifer im Kaisersaal im historischen Bahnhof viele Zuhörer.

In eine musikalische Schublade lässt sich die Musik nicht einordnen. „Jeder kann das aus meiner Musik raushören oder reininterpretieren, was er möchte“, erklärt Pfeifer ihre Lieder, bei denen sie sich von vielen Kulturkreisen beeinflussen und von zahlreichen Geschehen inspirieren ließ. Mal bewusst, mal unbewusst fließen die Erfahrungen und äußeren Eindrücke dann zu einem Stück zusammen.

Zu jedem Lied gibt es einige einleitende Worte und manchmal auch Tipps fürs Leben. „Einmal im Monat richtig weinen befreit. Das muss nicht immer aus Trauer sein“, rät Pfeifer zum ersten Song, der von Tränen und dem Zirkus der Tropfen erzählt.

Der „Ohrwurm am Morgen“ taucht plötzlich auf, nachdem man nach ein oder zwei Gläsern Rotwein nachts auf einer Sommerwiese eingeschlafen ist. Besonders beeindruckt die Künstlerin durch den Einsatz von einem „Echoplex“, mit dem bestimmte Sequenzen aufgenommen und auf Knopfdruck mit dem Fuß in einer Endlosschleife wieder abgespielt werden. Auf diese Weise gelang es Pfeifer nicht nur mehrstimmig zu singen und zu spielen, sondern die Titel auch mit ihrer eigenen Percussion zu untermalen, was im Ergebnis ein beeindruckendes Volumen ergab.

Wann ist ein Mensch am glücklichsten? Dass das Glück auch bei Melancholie empfunden werden kann, belegte die „Moll-Lust“. Die Verarbeitung des Hauptthemas aus ihrer Stummfilmmusik zu „Menschen am Sonntag“ widmete Pfeifer mit „Metropolitan Drive“ ihrer Heimatstadt Berlin.

Wahlweise tanzten die Finger in rasantem Tempo über die Tasten oder streichelten das Instrument mit gefühlvoller Leidenschaft der einzigartigen Spielweise.

„Wissen Sie, wie es ist, wenn man jemandem geduldig zuhört und wenn man selbst etwas sagen möchte, zeigt sein Gegenüber kein Interesse? Meine Musik hilft manchmal, mir Gehör zu verschaffen“, erklärte Pfeifer.

Bereits mit neun Jahren bekam die Berlinerin ihren ersten Akkordeonunterricht. Solokonzerte gab die Musikerin bereits in Brasilien, USA, Italien, Argentinien, Frankreich, Hongkong, Österreich, Marokko, Polen, Finnland, Großbritannien und Madagaskar. Dazu kommen zahlreiche Auftritte mit ihrer Band.

Mehrere Preise und Förderungen bekam Pfeifer, die mit Tanz und Theater auch auf zahlreichen Bühnen zu finden ist. Ebenso betätigte sich das Allround-Talent bei Hörspiel- und Filmmusiken, Lesungen und Talkshows.

In der Pause zwischen den zwei dreiviertelstündigen Konzert-Blöcken verkaufte die Musikerin ihre CDs und Noten.

Organisator des Konzerts war die Kulturgemeinschaft Vienenburg, die am Sonntag, 20. März, mit einem Irish-Folk-Konzert die nächste Veranstaltung im Kaisersaal anbietet. Der irische Songwriter Brendan Murphy präsentiert dann sein neues Album.

s. Susanne Fricke,  "Musik passt in keine Schublade",  in: "Goslarsche Zeitung", 22. Februar 2011

Akustische Musik mit Humor

Ausverkauftes Konzert von Gitarren-Duo im Vienenburger Kaisersaal begeistert das Nordharzer Publikum

VIENENBURG. Zwei Barhocker, vier Gitarren, zwei Scheinwerfer und ein sich blind verstehendes Musikerduo – mehr braucht es nicht, um den Kaisersaal in Vienenburg bis auf den letzten Platz zu füllen. Etwa 70 Besucher waren der Einladung der Kulturgemeinschaft Vienenburg zu einem unplugged-Konzert gefolgt.

Der Brite Julian Dawson (56), Musiker aus Leidenschaft, verfügt über 34 Jahre Bühnenerfahrung, komponierte etwa 500 Songs – von denen er 200 veröffentlichte – und aus denen er in Vienenburg eine Auswahl zu Gehör brachte.

Begleitet wurde der Musiker dabei von dem Komponisten, Gitarristen und Produzenten Uli Kringler, der den manchmal trockenen Dawson-Songs mit außergewöhnlicher technischer und ausdrucksstarker Brillanz eine qualitative Note verlieh.

Dawson dagegen konzentrierte sich auf den Gesang, zeigte seine gesamte Bandbreite von Country über Balladen, rockigen Klängen und Coversongs. Der große Mann mit Glatze zeigte sich von seiner gefühlvollen und warmen, menschlichen Seite –aber immer mit einem Schuss englischen Humor. Zu jedem Song erzählte er kleine Geschichten oder fand eine Parallele zum Zeitgeschehen. Wie in „Deep Rain“ – inspiriert von einer verregneten Autofahrt – oder der Story von der Rockdame, die mit der Geburt ihres Sohnes verschiedenen Lastern abschwor.

Die Frage, was Gott wohl am siebten Tag der Schöpfung gemacht habe, beantwortetet der Musiker in dem Song „That’s why God made Suterday night“ („Aus diesem Grund gibt es die Samstag-Nacht“). Auch die Mundharmonika kam zum Einsatz in Songs wie „Blue Tattoo“ und „Uneasy Rider“.

Das Publikum, offensichtlich Liebhaber der akustischen Musik, klatschte begeistert. Die Gäste waren von dem Auftritt hingerissen, nahmen das Angebot zum Mitsingen dankend an und erlebten einen Abend mit Musikern zum Anfassen, Texte und Songs zum Rocken, die aber auch zum Träumen und Nachdenken anregten.

ss.  Gordana Prade, "Akustische Musik mit Humor",  "Goslarsche Zeitung", 29. September 2010
Foto: Fricke

Mit Gefühl und Perfektion in den Bann gezogen

Mit einem wunderbaren Klassikkonzert gelang es im Juni zwei jungen russischen Künstlern die im Kaisersaal anwesenden Zuhörer und Gäste unserer Kulturgemeinschaft in ihren Bann zu ziehen.

Das mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnete Musiker-Duo präsentierte Stücke von Beethoven, Schumann, Debussy, Brahmas und Piazolla.

Der in Weißrussland geborene Cellist Igor Bobowitsch und die aus der Ukraine stammende Pianistin Elena Kolesnitschenko spielten technisch und emotional nahezu perfekt und ließen das Konzert für alle Liebhaber der klassischen Musik zu einem unvergesslichen Ereignis werden.

Minutenlanger Applaus war der Lohn, er wurde von den Künstlern dankend entgegengenommen.

 

Frivol, sarkastisch, lebhaft

Ferrari Küßchen begeistern im Kaisersaal

Ferraris sind die schnellen Autos, mit denen Rennfahrer über Pisten rasen. Das wirbelt gemeinhin viel Staub auf. Genauso viel Trubel schufen die fünf Akteure der A-Cappella-Gruppe Ferrari-Küßchen im nahezu voll besetzten Vienenburger Kaisersaal.

Mit „Liebe, Mord und schräge Typen“ stellten sie ihr neues Programm vor. Musikalisch perfekt verstanden es Margarete Paulmann-Nisters (Sopran), Haide Manns (Mezzosopran), Silvia Reck (Alt), Volker Bublitz (Tenor) und Ulli Meyer-Limburg (Bass), ihr Publikum in den Bann zu ziehen. Mal besinnlich-romantisch, mal frivol angehaucht, dann wieder lebhaft und sarkastisch, aber immer ausdrucksvoll in Mimik, Gestik und Performance, überzeugten sie auch den kritischsten Zuhörer. Da gab es den „König von Deutschland“ im Bademantel und die Beatles auf Deutsch. Klasse auch der altbekannte „Kleine grüne Kaktus“, der als harter Rocksong mit fliegendem Haupthaar neu interpretiert wurde.

Auch „Jürgen“ (er heißt Rolf), ein Gast aus der ersten Reihe, wurde eingebunden: Er musste seinen Arm als Garderobenständer zur Verfügung stellen. Zum Schluss wurde geklatscht und getrampelt, bis die Künstler Zugaben gewährten. Einen weiteren Auftritt wird es in etwa zwei Jahren wieder in Vienenburg geben.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 10.06.2010 - heh

 

Hilfsangebot für Ausraster

Duo FanTastix lädt zur "wirrtuosen und musikalischen Literaturnstunde" 

Mit Leckerbissen für Musikgourmets und Kabarettfeinschmecker verwöhnte das Classical-Music-Comedy-Duo „FunTastix“ in dem von der Vienenburger Kulturgemeinschaft veranstalteten „Concerto Wirrtuoso“ die Gäste im Kaisesaal, der trotz des Kaiserwetters gut gefüllt war.

Die Künstler Andreas Kowalewitz am Flügel, dem „Mercedes“ unter den Instrumenten, und Wolfgang Zinke am Akkordeon, das Kowalewitz scherzhaft zum „nur tiefergelegten Opel“ degradierte, lieferten sich von Beginn an ein verbales und musikalisches Duell der Spitzenklasse. „Wer schreibt, der bleibt und Musik hat die Menschen schon immer begeistert aber wir sind hübscher, jünger und billiger als die Klassiker“, stellte sich das Duo musikalisch vor.

„Egal, was auf der Bühne passiert, das Publikum hat bitte auszurasten und wenn nicht wissen an welcher Stelle, wir helfen ihnen dabei“, verlangte Kowalewitz und hielt ein Schild „Pfeifen, Trampeln“ hoch. Das brauchte das Publikum jedoch zu keiner Zeit und sparte nicht mit dem Beifall.

Nach dem Auftakt mit dem osteuropäischen Potpourri „Russisch Roulette“ entführte Zinke die Gäste aus dem grausamen Alltag in die alkoholdurchtränkte Märchenwelt von „Hänsel und Gerstel“, die nach ihrer Wanderung über den Underberg schließlich ein paar Clausthaler von der Queen of Tablewaters bekamen, nicht immer, aber immer öfter. „Versprechen sind der Wahlen Zier, doch nach den Wahlen zahlen wir“, erklärte Zinke Schüttelreime, in die er das „Nibelungenlied“ verpackt hatte. „Man sollte, wenn die Winde lachen, auf Blätter von der Linde wachen“, riet er denn auch dem im Drachenblut badenden Siegfried.

Anhand des Türkischen Marsches erläuterte das Duo die Erfindung des „Doppelschlags“ von Mozart, den viele Komponisten der Nachwelt aufgriffen. „Im Radetzky-Marsch hat Strauss den Anfangston tiefer gelegt um keinen Ärger mit der GEMA zu bekommen, Haydn hat in der Nationalhymne den Doppelschlag umgedreht und den Anfangston tiefer gelegt und die Filmmusik der Lindenstraße ist eine wahre Doppelschlag-Orgie“, erklärte Kowalewitz beim Spiel am Flügel und stellte schließlich seinen passenden Text zu, den das Publikum im Refrain mitsang: „Was ist schöner, als Döner mit Musik von Amadeus“. Als Moderator kürzte Zinke fiktive Verkehrsfunkmeldungen eines umgekippten Whisky-Tanklastzuges auf 90 Sekunden.

Nach einer Pause ging es mit Meister-Werken weiter, die noch nicht begonnen wurden. „Bach hat das Blatt mit den Noten von „Lilli Marleen“ verschwinden lassen, weil es ihm zu weltlich geraten war“, mutmaßte Zinke. Kowalewitz hingegen präsentierte den Klassiker als „Prelude und Fuge von Bach“, sowie aus der erdachten Feder von weiteren klassischen Komponisten am Flügel. Zinke übernahm den Part des Textschreibens der verschiedenen Dichter, wie Homer, Walther von der Vogelweide, Goethe, Heine oder Busch.

Von Rossinis „Ragout Rabiat“ bis zur Hausmusik, lyrisch und als Rap, stellten die Alleskönner an Flügel, Akkordeon und Claviola ihr grandioses Können mit perfekt abgestimmten Wechseln der Musikstücke und der Tempi unter Beweis. In einer „Literaturnstunde“ interpretierte Zinke den Sechszeiler vom „Bi-Ba-Butzemann“: „Ist das ein Versuch, den erotischen Taumel eines Mannes auszudrücken, auch wenn das anatomisch schwer vorstellbar ist? Oder handelt es sich um ein Synonym für rechtlose, kleine Mieter?“

Als Zinke schließlich, bei der Filmmusik angekommen, Sirtaki tanzend sagte, dass der Grieche in ihm durchkäme, hatte auch hier Kowalewitz keine Haare auf den Zähnen: „Wieso, bist du pleite?“

Nach drei Zugaben und einem ergreifenden „Oh, mein Papa“ als Schlusslied nahmen viele Besucher die intelligente Mischung von Kabarett, Klassik, Komik und „Wirrtuosität“ schließlich als Hörgenuss auf CDs mit nach Hause.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 27. April 2010 - Susanne Fricke
Foto: Fricke

 

Melancholie mit "Madison Violet"

Zwei Kanadierinnen rocken im Vienenburger Kaisersaal

Ein Stück Kanada haben die Musikerinnen Brenley Mac-Eachern und Lisa MacIsaac als „Madison Violet“ neben vielen Instrumenten im Gepäck, als sie dem Publikum im ausverkauften Vienenburger Kaisersaal einen „wonderful Sunday afternoon“, einen wunderschönen Sonntagnachmittag, bescheren wollen.

Sie halten, was sie versprechen: Mit ihren vollen, klaren und sehr kräftigen Stimmen bilden sie ein wunderbares Duett und füllen den ganzen Saal mit Klang. Ihre Musik ist eine Mischung aus Folk, Pop und Alternative Country. Stil und Gesang erinnern ein bisschen an die amerikanische Sängerin Melissa Etheridge.

Nach fast jedem Lied wechselt eine der beiden das Instrument, greift kurz hinter sich und bringt mit Akustik- oder Tenorgitarre, Banjo, Mandoline, Geige oder Mundharmonika einen neuen Ton in die Musik. Das Spektrum an Klängen ist sehr breit und bietet den Ohren eine spannende Abwechslung. Die tiefen Töne von Begleitmusiker und Kontrabassist Adrian Lawryshyn runden die Musik ab.

Nicht nur die musikalische Qualität, sondern mindestens genauso die authentische Art von MacEachern und MacIsaac bereiten dem Publikum viel Spaß. Wegen ihres schwierigen kanadischen Akzents versteht das Publikum nicht alle Kommentare und Liedansagen des Duos. „Die sprechen zu schnell“, wird durch die Sitzreihen geflüstert. Dennoch kommt die locker-sympathische Art auch bei denen an, die nicht jedes Wort verstehen.

Als Lisa MacIsaac fragt, wie viele Einwohner Vienenburg habe (schon ihre Aussprache des Ortsnamens bringt das Publikum zum Lachen), antwortet Kulturgemeinschafts-Vorsitzender Gerhard Niessner als erster mit „11 000“. Da bekommt Mac-Isaac große Augen: „That‘s huge“, sagt sie, sie findet es riesig. Als sie von ihrem Heimat-Dorf mit 350 Einwohnern erzählt, wird klar, wie sie das meint. Mit solchen Gesprächen und dem Spaß, den man allen Dreien beim Musizieren ansieht, begeistert die Gruppe das Publikum von Anfang an. Mal laut, mal leise, mal temperamentvoll, mal ruhig – ihr Repertoire bietet Musik aus allen Bereichen. Die schönsten Momente schaffen die Sängerinnen aber mit melancholischen Liedern, wenn der ganze Raum von Melodie und Gefühl erfüllt ist und die Zuhörer anfangen, näher an den Nachbarn zu rücken – Gänsehaut pur.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 16. März 2010 - Claudia Bollmann
Foto: Bollmann

 

Hach, ist das ein tolles Programm

Fulminanter Brecht-Liederabend mit Arnold Krohne und Marian Lux – Veranstaltung der Kulturgemeinschaft

VIENENBURG. „Galgenvögel“ – nein, Arnold Krohne und Marian Lux sind ganz bestimmt keine. Über die aber gibt’s von beiden was zu hören. Der eine intoniert die Stücke, der andere begleitet ihn am Klavier. Bertolt Brecht füllt den späten Sonntagnachmittag im Kaisersaal inhaltlich. Gestalterisch tun’s Krohne und Lux. Geladen hat die Kulturgemeinschaft Vienenburg. 100 Gäste sind da – ausverkauft.

Schon nach dem ersten Lied holen sie sich prallen Applaus. Das liegt aber nicht allein an „Mackie Messer“. Bestimmt auch, ist dieser Brecht-Mann doch ziemlich populär. Vor allem sind es Krohne und Lux, die durch ihre Arbeit auf der Bühne  überzeugen, ihr Publikum ranholen. Beide dürfen ein Vollbad in der Zuschauergunst nehmen.

Arnold Krohne, der in Bad Harzburg geborene einstige Vienenburger, der mit dem Diplom im Studiengang "Gesang/Musiktheater", kündigt an, „die Texte werden nicht unbedingt netter, das Programm ist nicht jugendfrei“. Das weiß, wer Brechts Werk kennt. Über Huren hat er geschrieben: „Mutter Beimlein hat ein Holzbein“ Über sexuelle Hörigkeit. Über die Frau, bei der es erst beim x-ten Mann „überhaupt nur kein Nein“ gab.

Heftig sind die Inhalte, brutal in ihrer Wahrheit: Wenn der Vater über den Sohn lamentiert. Den Sohn, der den Hitlergruß formt, der’s braune Hemd trägt – das Totenhemd. Wenn das „Schießgewehr schießt, das Spießgewehr spießt“ in dem Zwiegespräch zwischen Weib und Soldat. Mit Sprechgesang beginnt der Krohne, der Lux hält sich zurück auf den Tasten. Der Krohne geht in den reinen Gesang über, der Lux zieht nach, wird derber, um später wieder sanft zu werden. Dann nämlich, als Krohne den Tod des Soldaten besingt. Der „sank nieder . . .  Wasser fraß auf, die drin warten“. Lux holt aus dem Instrument ein Plätschern heraus. Die Wolga, die gemeint ist, fließt sie durch den Saal? Bei geschlossenen Augen ist es anzunehmen . . .

Federboa, dunkelste Sonnenbrille, Geschirrtuch, Whisky dienen als Requisiten. Mehr nicht. Der Glitzer-Anzug von Krohne macht zwar was her. Aber all das reicht nicht für die Aufmerksamkeit. Die verschaffen sich die beiden Künstler durch ihre Kunst, durch ihre Attraktivität, ihren Umgang miteinander. Blickkontakte, vor allem vom Lux zum Krohne, fallen auf. Die Dramatik der Geschichten spiegelt sich in Gestik und Mimik Krohnes wieder – und in seiner Stimme. Aus ihm heraus kommt mal der Spötter, mal der Poet, mal die verzweifelt Liebende. Dem Faltenwurf auf der Luxschen Stirn ist Anpassung an das Vorgetragene, nein, vielmehr Verstärkung des Krohneschen Vortrags anzusehen.

Dass eine Zugabe am Ende durch wieder prallen Applaus und Bravo-Rufe gefordert wird, ist von Beginn an klar. Das „Ballhaus in Bilbao“ haben sich Krohne und Lux ausgesucht. Laszivität wird versprüht. Ja, das Ballhaus, „. . .  es war das schönste . . . auf der Welt“. „Hach“, endet Krohne. Genau: Hach, ist das ein tolles Programm. Hach, sind das zwei tolle Künstler. Hach, wie bedauerlich, dass es vorbei ist. Noch nicht ganz. Zugabe zwei erst beschließt die Krohne-Lux-Ausgabe in Vienenburg: „Jack the knife“. Hach, einfach fulminant.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 24.November 2009 - Angela Potthast
Foto: Potthast

 

Käselöcher führen zu Zerwürfnissen

Kulturgemeinschaft Vienenburg lädt zum Tucholsky-Abend mit Berghofer und Kravets – Kaisersaal voll besetzt

Gesellschaftskritik am Sonntag. Da hat man doch Zeit, ist aufnahmefähig, lässt sich an die eigene Nase tippen, amüsiert sich über sich. Kurt Tucholsky bediente sich aus dem, was ihm die Gesellschaft so vorlebte und hielt es ihr zugespitzt wieder vor. Am Sonntag im voll besetzten Vienenburger Kaisersaal hielt Rezitator Gerd Berghofer den Tucholsky-Spiegel hoch – auf Einladung der Kulturgemeinschaft Vienenburg mit dem Programm „Merkt Ihr nischt?“.

Und sogleich sind’s die Gäste, die sich direkt angesprochen fühlen dürfen. In der Zeitschrift „Die Weltbühne“ stand 1931 der Text An das Publikum“. Um dessen vermeintliche Dummheit geht s. Der Artikel wurde von Teobald Tiger veröffentlicht. Er steht für eines von vier Pseudonymen, die sich Kurt Tucholsky gegeben hat. Fünf Namen also hatte er insgesamt. Wie die Hand fünf Finger hat. Und mit der Hand, mit der kann man ordentlich zupacken. So ähnlich soll er sich dazu einmal ausgelassen haben. Seine anderen Figuren: Ignaz Wrobel, Peter Panter und Kaspar Hauser.

Fünf Figuren erfunden

Durch sie spricht Tucholsky Wahrheiten aus. Über die Familie: Sie stecke ihre Nase in „Deine Angelegenheiten“, sie wisse alles – ihre Informationen „pflanzen sich durch das wehrlose Telefon fort“. „Die gemeine Hausfamilie“ befördere überdies den Krankheitskeim „nimmt immer übel“. Gerd Berghofer gestikuliert, trägt er Tucholskys Sätze vor. Beide Hände verarbeiten das Rezitierte. Die Stimme wandelt sich, sind mehrere Personen im Text darzustellen. Das Publikum, das ganz und gar nicht dumme, nimmt die qualitätsvolle Präsentation mit Achtung auf – wie auch die Musik, die Juri Kravets auf seinem Knopfakkordeon bietet. Seine Fingerfertigkeit, seine Schnelligkeit, seine Interpretationen von bekannten Stücken ist bewundernswert, so bewundernswert, dass sie Kopfschütteln hervorruft: Bachs Toccata auf dem Akkordeon, ein ungewohntes und daher umso faszinierenderes Hörerlebnis. Hören, zuhören forderten beide Künstler. Der Rezitator mit den inhaltlich an- und aufrührenden Texten. Nationalökonomie ist da so ein Tucholsky-Thema, das wie viele andere nicht nur zu seinen Lebzeiten Brisanz zeigt(e). Berghofer: „Dabei kannte der Hypo Real Estate nicht.“ Tucholsky wusste aber, wie sich der Verlust des eigenen Vermögens anfühlte. Dazu und zu anderen Phasen in Tucholskys Lebens sagt Gerd Berghofer einiges. Das Biografische eingeflochten in das Künstlerische bietet einen Einblick, lässt Zusammenhänge erkennen. Kurt Tucholsky war den Nazis ein Dorn im Auge: linkspolitisch orientiert, Jude und Freimaurer.

Mit den Worten spielen

Er erreichte publizistisch laut Berghofer nur eine Minderheit, nie die Massen. Obgleich die Erzählung „Schloß Gripsholm“ weithin bekannt sein dürfte. Seine Wortspielereien sind mehr als lohnenswerte Lektüre. Die Kreuzworträtselsprache, die im „Salatorium“ – Anspielung auf die Gesundkost im Sanatorium – entsteht: Da wird Nepsus zum Planeten, Lepsch zur europäischen Hauptstadt. Alles, um die Lücken im Rätsel zu füllen. Um so etwas ähnliches dreht es sich noch einmal – bei der Frage „Wie kommen die Löcher in den Käse?“. Harmlos fängt’s an mit der kindlichen Wissbegier, zeigt die Unwissenheit der Erwachsenen und endet im Tumult, in Zerwürfnissen und der weiterhin offenen Frage nach der Löcher-Herkunft. Ohne Zugabe gehen Berghofer und Kravets nicht.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 27.Oktober 2009 - Angela Potthast
Foto: Potthast

Fußwippen und Fingerschnipsen

"Doc Koehler's Sultans of Swing" gastieren auf Einladung der Kulturgemeinschaft in Wöltingerode

Da hat sich die Vienenburger Kulturgemeinschaft wieder einmal ein musikalisches Highlight geleistet: "Doc Koehler's Sultans of Swing" machten ihrem Namen alle Ehre und begeisterten die knapp 200 Besucher im Nonnenchor des Klosters Wöltingerode vollends.

Das ist allerdings auch kein Wunder: Wenn irgendwo Swing erklingt, geht er ins Publikums-Blut, regt zu heftigem Fußwippen, Fingerschnipsen und Mitsummen an. Da hilft auch nicht das Postulat von Swing-Ikone Lionel Hampton, der beim Konzert in der Berliner Philharmonie Anfang der achtziger Jahre meinte: "Mit dem rechten Ohr wackeln, das reicht." Es ist eben die Popmusik der dreißiger und vierziger Jahre. Benny Goodman, Count Basie, Glenn Miller, Artie Shaw, Duke Ellington, so hießen die Stars der damaligen Zeit - heute den aktuellen Großen gleichzusetzen. Allerdings ist heute die musikalische Faktur in der Popmusik recht einfach geworden - da reichen meist drei oder vier Harmonien aus. Hört der Kenner mehr, fragt er sich sofort, ob der Sänger nebst seinen Begleitern wohl wieder zur Ausgangstonart zurückfindet.

Swing-Raritäten

Titel wie "Sing, sing, sing sing", "In the Mood", "Love for Sale" standen auf dem Programm, aber auch Swing-Raritäten wie "Can't we be friends" waren zu erleben. Erleben trifft's: Die acht Musiker aus Norddeutschland verstanden es bestens, nicht nur ihr eigenes musikalisches Profil an ihren Instrumenten solistisch darzustellen, sondern eben auch das zu tun, was eine gute Band auszeichnet. Aufeinander hören, dem Anderen Raum lassen und gemeinsam das Gesamtergebnis, den Sound, zu gestalten. Darin sind die Sultane echte Könige - das war ein Erlebnis.

Die Orchester der damaligen Zeit waren meist größer besetzt. Hier tat die kleinere Musikerschar - nicht nur der hervorragenden, passgenauen Arrangements von Doc Jens Köhler (Gitarre) wegen - dem Musikgenuss keinen Abbruch, im Gegenteil. Die einzelnen Partien ließen sich feiner, runder hören, waren leichter nachzuvollziehen.

Versierte Sängerin

Anna Wunderlich kam als versierte Jazz-Sängerin zum Ensemble hinzu. Sie brauchte sich um Abstimmungen keine Sorgen zu machen: Die Musiker trugen sie - natürlich musikalisch gesehen - durch ihre Partien. Das ist nicht eben oft zu erleben.

Das Publikum zeigte sich erfreulich jazz-erfahren: Jedes Solo wurde mit Zwischenapplaus belohnt. Zur Freude der Musiker, die sich auch munter durch Spielfreude und Lust am Tun bedankten. Fazit: Ein musikalisches Erlebnis, das der Wiederholung bedarf.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 12.05.2009 - Carsten Jelinski  -  Foto: C. Jelinski

 

 

 

Musikalische Sternstunde

„Amadeus Guitar Duo“ bietet in seinem Konzert im Kaisersaal Musik vom Feinsten

VIENENBURG. Eigentlich sollten es vier Gitarristen sein, die auf dem Podium im Kaisersaal Platz nahmen. Doch Krankheit verhinderte die Teilnahme des Duos Mark Eden und Christopher Stell. So baute das „Amadeus Guitar Duo" sein Programm um und präsentierte im vollbesetzten Kaisersaal eine Sternstunde bester Musik.

„Wenn zwei fehlen, müssen wir eben doppelt so gut spielen", meinte Thomas Kirchhoff zu Beginn. Doppelt so gut? Besser ging es nicht, so hochmusikalisch, so virtuos und technisch sauber kam das als „Kontraste" betitelte Programm ’rüber – ein musikalisches Fest.

Zu Beginn englische Renaissance-Musik:  Thomas Fords „Mr. Southcote‘s Pavan" von 1607 machte deutlich, welche Präzision und Musikalität geboten werden sollten. Franz Burkhards energische „Toccata" von 1946 bot in ihrer modernen Faktur den angekündigten Kontrast. Vorantreibend und pulsierend gestaltete das Duo dieses Werk, der ruhige Zwischensatz bot fast schon singende Instrumente.

Im 250. Todesjahr Georg Friedrich Händels durfte seine Musik nicht fehlen: Die „Chaconne in G-Dur" aus der Cembalo-Suite, arrangiert von beiden Künstlern. 21 Variationen und Charaktere heisst es, gilt es darzustellen, immer aus der gleichen Folge von Harmonien schöpfend. Das gelang hervorragend, auch weil beide Künstler die unterschiedlichen Klangfarben ihrer Instrumente versiert ausnutzten.

Mit der mal prächtigen, mal feinsinnigen Gestaltung von André Jolivets „Sérénade pour deux guitares" von 1956 geleitete das Amadeus Guitar Duo die Hörer in die Pause.

Dale Kavanagh eröffnete den zweiten Teil als Solistin. Eigenkompositionen waren angekündigt, doch: „Ich möcht gern etwas anderes spielen, ok?" Das Publikum lohnte drei alte Tanzsätze und eigene Arrangements mit viel Beifall.

Der bolivianische Komponist Jaime M. Zenamon widmete sein Stück „Casablanca" dem Duo, das Werk spiegelt den Film. In dieser herrlichen Interpretation entstanden einige Filmsequenzen vor dem geistigen Auge. Als Instrument tauchte der Film-Ventilator auf: Statt der Hand nutzten die Beiden Miniventilatoren und ließen deren Flügel über die Saiten gleiten – ein sirrender, flimmernder Klang entstand. Der letzte Ton kam dann auch nicht von der Gitarre, sondern es war das „Klick", als die Musiker die Ventilatoren zeitgleich abstellten. Wenn die beiden Musiker wiederkommen, dann muss es heißen: „Play it again, Dale and Thomas".

Zwei Sätze aus Mario Castelnuovo-Tedescos „Sonatina Canonica und vier Sätze aus „Surama" des venezolanischen Kompoonisten Alfonso Montès beendeten in ihrer fulminant-überlegenen Gestaltung eine Sternstunde der Gitarrenmusik. Langer Applaus und zwei Zugaben.

Bericht "Musikalische Sternstunde" - nach "Goslarsche Zeitung", 03.02.2009 - Carsten Jelinski

 

 

Der gefühlvolle Folk-Abend einer Power-Frau 

Lea Morris lässt ihre rauchige Stimme in Erinnerungen schwelgen – Kulturgemeinschaft Vienenburg lädt ein.

Eine kraftvolle Stimme mit dynamischem Gitarrenspiel, dazu eigene Lebenserinnerungen und charmanter Smalltalk – so erlebten die Besucher das Lea-Morris-Konzert am Freitagabend.

Nein, solch eine energiegeladene Musikerin im Rasta-Look hatte der altehrwürdige Kaisersaal sicher noch nicht gesehen. Als Gast der Kulturgemeinschaft gab die 30-jährige Sängerin aus Washington D.C. (USA), nur kurze Zeit in Deutschland gastierend, einen gefühlvollen Folk-Songabend mit einem Hauch von Gospel und Blues. Neben bekannten Stücken der Kanadierin Joni Mitchell und US-Songwriterin Tracy Chapman ließ sie auch eigene Kompositionen hören: Bei „favourite thinks“ schwelgte ihre rauchige Stimme in alten Erinnerungen. In „Daisy“ verpackte sie Erlebnisse mit Freunden und Familie anonym. „Meine Musik sind meine Gedanken über die Welt, wie sie sein soll“, sagte die Musikerin  über sich.

Überhaupt teilte Lea Morris gerne ihre Erinnerungen mit ihrem Publikum: Eindrücke aus der eigenen Kindheit, die Freundschaft zu ihrer „großen“ Schwester oder auch die Hoffnungen nach der Wahl von Barak Obama zum 44. US-Präsidenten spannten die Fäden zwischen den einzelnen Songs. Genau wie der lockere Smalltalk mit dem Publikum – mit Simon, einem erst acht-jährigen Schlagzeug spielenden Konzertbesucher. „Meine Tochter ist neun und spielt auch Schlagzeug“, knüpfte Lea Morris auch in dieser Situation spontan eine Verbindung.

Selber erlernte die Musikerin erst mit 13 Jahren das Gitarrenspiel, gestand sie dazu. Ihr Vater, der selbst als Mitglied einer Band in den 70er Jahren durch die USA getourt war, hielt seiner von der Musik begeisterten Lea stets vor Augen, „Musik sei kein richtiger Beruf“. Ein musikalisches Glück für alle Konzertbesucher im Kaisersaal und anderswo, dass sich die starke Lea Morris damals durchsetzte und nicht auf ihren Vater hörte.

nach Andrea Leifeld   GZ 15.12.09

 

Junges Quartett überrascht

sonic.art Quartett - Foto: Anke Madlen Jaeckel

Sonic.art interpretiert im Kaisersaal Originalliteratur für das klassische Saxophon

Mit den ungewohnten Klängen ihrer klassischen Saxophone nahmen die vier jungen Musiker des Berliner Sonic.art Saxophonquartetts das Publikum im Kaisersaal mit auf eine musikalische Reise von der Romantik bis in die Moderne.

Auf Einladung der Kulturgemeinschaft Vienenburg gastierte mit den Musikhochschulabsolventen Ruth Velten (Sopransaxophon), Annegret Schmiedl (Altsaxophon), Alexander Doroshkevitch (Baritonsaxophon) und Martin Posegga (Tenorsaxophon) ein Ensemble, das erst vor drei Jahren zusammenfand. Seinen Wirkungsschwerpunkt sehen die Musiker in der Interpretation der Originalliteratur für klassisches Saxophonquartett. Komponist und Altmeister Alexander Glasunow stand im Programm neben zwei volksnahen Stücken von Dimitri Schostakowitsch, die Annegret Schmiedl für das Quartett bearbeitet hatte. Der mitreißende „Tango Nuovo“ des Argentiniers Astor Piazzolla und die Interpretationen einiger Stücke von George Gershwins Werk „Porgy and Bess“ repräsentierten die moderne Variante des Saxophonspiels.

„Das klassische Saxophon wurde 1842 erstmals in Paris vorgestellt“, erklärte Martin Posegga die junge Geschichte der Instrumente. Ungekünstelt und sympathisch übernahm er gemeinsam mit Alexander Doroshkevitch die Vorstellung der verschiedenen Musikstücke und ihrer Komponisten.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 29.10.2008 - Mü
Foto: Anke Madlen Jaeckel

 

Eingängige Melodien expressiv interpretiert

Die Pianistin Konstanze Eickhorst begeisterte im Kaisersaal in Vienenburg ihr Publikum mit Werken von Beethoven, Klara Schumann, Chopin und Schubert. Die Klänge des Pianos erfüllten den ganzen Raum - prägnant, klar und leidenschaftlich. Als störend erwiesen sich allerdings die Lautsprecherdurchsagen vom nahe gelegenen Bahnhof, die die Atmosphäre ab und zu durchbrachen.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 28.05.2008 - Wodicka

 

 

Einfach das Konzert verlängert

"Saratoga Seven Jazzband" begeistert

Zum Dixieland-Happening hatte die Kulturgemeinschaft Vienenburg in den Nonnenchor des Klostergutes eingeladen, die Braunschweiger "Saratoga Seven Jazz Band" spielte im ausverkauften Haus.

Die Band mit Harald Montag (Klarinette, Saxofon), Berhard Günter (Trompete), Kuno Dzikowski (Posaune) Horst "Pops" Popanda (Klarinette, Gesang), Klaus Lüderitz (Bass, Gesang) Ulli Worbs (Banjo, Gitarre, Gesang) und Schlagzeuger Günter Krug brachten Musik mit, die ins Blut ging. Der "Lime House Blues" war ebenso dabei wie "Mackie Messer" oder "Memories of you", Melodien von Jazzkomponisten wie Duke Ellington oder Louis Armstrong taten das Übrige, um das Publikum zu begeistern. Da tat die räumliche Kühle den wippenden Fußspitzen keinen Abbruch.

Musik-Fachleute bescheinigten den Sieben denn auch hohe Qualität: "Mensch, die sind ja echt topp", war der wohl meist gehörte Pausenspruch. Nicht nur, weil die Band einen Fanclub mitgebracht hatte, schien der Schlussapplaus nicht enden zu wollen - die Zuhörer waren so dabei, dass die "Saratoga Seven Jazzband" sich nicht lumpen ließ und glatt noch eine weitere halbe Stunde spielte.

Kulturgemeinschafts-Vorsitzender Gerhard Niessner meinte abschließend: "Wenn ihr jetzt noch einmal klatscht, dann kommt die Band wieder". Gesagt, getan. Nach dem Konzert ergänzte Harald Montag den guten Gesamteindruck: "Das ist nicht das letzte Mal, dass wir hier sein dürfen, oder?" Mit Sicherheit nicht.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 30.04.2008 - Carsten Jelinski  -  Foto: J. Wesemann

 

Ideale und verloren gegangene Illusionen

Buchhändler und Kabarettist Rainer Schulze begeistert sein Publikum im Vienenburger Kaisersaal

Rainer Schulze, Wernigerode – eigentlich kennt man ihn dort als Buchhändler. Doch Schulze gehört auch zur ersten Garde der Kabarettisten dieser Republik, einer der auf der anderen Seite der Mauer lebte und die Wende überstanden hat. Im Kaisersaal bot er nun, nach sieben Jahren, wieder einmal ein Feuerwerk der Pointen. Kabarett, das zum Lachen reizt, aber auch nachdenklich macht.

Da steht ein leicht ergrauter Herr in Lederweste und rotem Halstuch auf der Bühne und versprüht jugendlichen Charme. Freut sich das Publikum an seiner Rezension eines Textes von Wilhelm Busch, freut er sich mit, lacht jungenhaft mit. Klavierspielen kann er auch, herrlich, wie Georg Kreisler. Er begeistert sein Publikum mit „seinen Idealen und verloren gegangenen Illusionen“ – bietet umfassendes politisches Kabarett vom Feinsten, ohne verklärenden Blick auf die DDR.

Ob er den Augsburger Bischof Mixa zitiert („Christliche Kinder gehören nicht in die Krippe“) oder die aktuelle Gesellschaftssituation auf den Punkt bringt („Ein Volk, das sich fürchtet, muss man nicht fürchten“) – immer hat Schulze den Schalk im Blick und eine sympathische Schlitzohrigkeit im Gedanken.

Das Publikum ließ ihn kaum von der Bühne, erklatschte sich zwei Zugaben. Und hofft, dass Rainer Schulze noch einmal wiederkommt – vielleicht mit seinen Kabarettpartnern Wolfgang Schaller und Wolfgang Stumph, mit denen er in Dresden seit Jahren in der „Herkuleskeule“ gastiert.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 01.04.2008 - Carsten Jelinski
Foto: J. Wesemann

 

Klassik einmal richtig frech und sexy

Quartett  „Salut Salon“ überzeugt mit
einem außergewöhnlichen Konzert im ausverkauften Kaisersaal

Es war eine überzeugende und charismatische Klassikdarbietung der ganz besonderen Art. Die Kulturgemeinschaft Vienenburg präsentierte am Sonntag das ansehnliche Power-Frauen-Quartett „Salut Salon“. Für die perfekte Kombination aus anspruchsvoller Klassik, frechen Chansons und mitreißendem Entertainment zollten die Zuschauer im restlos ausverkauften Kaisersaal enormen Beifall.

Die norddeutschen Frauen Angelika Bachmann und Iris Siegfried mit der Geige, die englische Cellistin Phoebe Scott und Pianistin Lara Johannes aus Südafrika sangen und spielten sich während des Abends mit viel Spaß und Charme in die Herzen ihres Publikums, weil Musik für sie eben wirklich „Herzenssache“ – so der Titel ihres Programms – ist. Stets lächelnd, hauchten die vier Hamburger Musikerinnen der in die Jahre gekommenen Salonmusik mit ihren humorvollen Arrangements ein ganz neues Leben ein. Mit im Gepäck hatte das Quartett Klassiker von Johannes Brahms, Johann Strauß und Franz Liszt. Daneben spielte und sang es aber auch Chansons von Friedrich Holländer, Georg Kreisler und Kurt Tucholsky. In den „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow bauen sie schon mal den Ohrwurm Biene Maja ein.

Ihre ganz eigene Interpretation von „Mein Hut, der hat drei Ecken“ gleicht einer Ausflugstour durch die Musikgeschichte. Das Power-Quartett ist sich nicht zu schade, mit den klassischen Vorlagen samt ihren Instrumenten netten Schabernack zu treiben. Die Nähe zum Publikum machte den Abend zu einem einmaligen Konzert-Erlebnis. Eins wurde den über 100 Zuschauern im Kaisersaal während des Konzerts bewusst: Klassik kann auch sinnlich und sexy sein.

Bericht nach "Goslarsche Zeitung", 29. Januar 2008 - Sebastian Sowa
Foto: J. Wesemann